Wie könnte man also die digitale Spaltung überwinden? Der OLPC machts vor. Dank seiner 2 Antennen kann er automatisch ein WLAN-Mesh zwischen den einzelnen PCs aufbauen. Das tolle daran? Hat irgendeiner der OLPCs Zugang zum Internet, können alle anderen auch rein. Die Daten werden also von einem zum anderen weitergereicht. Und das ist ja ganz konträr zu der Infrastruktur, die momentan vorherrscht. Hier hat jeder seinen DSL-Anschluss plus Router, einen Accesspoint. Alle Netzwerke sind voneinander abgeschottet und wenns gut läuft, verschlüsselt.
Wie mach ich das jetzt, wenn ich auch ins Internet will, aber mir ein DSL-Anschluss zu teuer ist? Ich häng nen Zettel auf oder frag bei meinen Nachbarn, ob ich auch mit rein darf. Wenn ich Glück hab, bekomm ich dann für nen Obulus ihr WiFi Passwort. Falls das nicht klappt, kann ich mir auch ein schlechtverschlüsseltes Wlan hacken (was aber, genauso wie bei offenen mitsurfen, verboten ist).
Welche Alternativen hab ich? Zum einen gibt´s FON. Fon ist eine Firma, die früher kostenlos und mittlerweile für günstig Router verteilt, die sogenanntes Multi-SSID unterstützen. Was ich davon habe? Zum einen bekomm ich einen kleinen und energiesparenden Router für fast umsonst. Dank Multi-SSID (was einfach heisst, dass der Router gleich 2 voneinander getrennte Wlans zur Verfügung stellt), hab ich dann zum einen mein privates, mittels WPA verschlüsseltes Netzwerk, zum anderen gibts dann noch das öffentliche FON-Netz. Diesen FON-SPOT kann man dann mitbenutzen. Wenn man so seinen eigenen DSL-Anschluss teilt, kann man an jedem anderen FON-Spot für lau surfen. Ansonsten kann man auch ein Ticket für 3 Euronen oder so kaufen. Interessant ist das ganze natürlich für Menschen mit Smartphones. Fürs (Ge)i(l)phone gibt´s natürlich auch ne Software: iFON. Ob es in der Umgebung schon nen Hotspot gibt, kann man auch auf der Karte bei fon.com nachschauen.
Wo ist der Nachteil? Zum einen können mir nicht bekannte Menschen übern meinen Zugang irgendwelchen Mist machen (mir ist nämlich noch nicht bewusst, ob dann einige Ports gesperrt sind, oder ob P2P z.B. auch funktioniert), zum anderen hab ich wie vorher auch, verschiedene Accesspoints. Also kleine isolierte Inseln.
Mein eigentliches Problem, nämlich die schlechte Internet Anbindung im ländlichen Bereich, kann ich damit aber eigentlich auch nicht lösen. Früher wars ja richtig schlecht mit Internet in Obertheres. Da gabs maximal ISDN. Für DSL waren wir nämlich lange Zeit zu weit von der Vermittlungsstelle weg. Das hat sich mittlerweile ja gewaltig geändert. Im Altdorf gibts DSL-Light, also maximal 384kbit. Die Stadtwerke bieten mit Powerline Internet aus der Steckdose oder per Wimax auch über die Luft an. Aus Untereuerheim kommt von der ehemaligen FarPointStation (StarTrek lässt grüßen) WLAN per sogenanntem W-DSL oder mittlerweile bieten sie auch Internet per Satellit an.
Daheim hatten wir schonmal kurz FPS, dann lange Powerline und schlussendlich jetzt DSL-Light. Weil´s einfach am günstigsten, wenn auch nicht am schnellsten ist. Unsere Verwandtschaft im Neubaugebiet dagegen schaut in die Röhre. DSL is nich, und der Rest ist für Gelegenheitssurfer einfach viel zu teuer. Deswegen benutzen sie noch ganz Old-School Analogmodem mit dem alten SmartSurfer. Dass da kein Spass aufkommt, kann man sich vorstellen.
Zurück zum Anfang. Mit einem WLAN-Mesh würde sich das ganz einfach lösen lassen. Haben sich auch schon andere gedacht. Bei den Amis gibts ne Firma namens Meraki. Wird von Google gesponsort und verteilt ähnlich wie FON Router, die dann untereinander ein Mesh aufbauen. Bei uns gibts Freifunk. So ein Mesh hat ja auch noch andere Vorteile. Lokal hat man sehr schnelle Netze, die auch nicht durch einen Provider kontrolliert (Vorratsdatenspeicherung!) werden können. Zum anderen ist die Software auf den Routern so schlau, und wählt immer den schnellsten Weg ins Internet. Im Klartext heisst das, würden jetzt alle in Obertheres sich einen Mesh-Router ins Fenster hängen und alle ihre bestehenden Internnet-Verbindungen (sei es jetzt Powerline, DSL, W-DSL teilen würden) könnte ganz Obertheres online gehen. Von Router zu Router würde sich eine Brücke ins Neubaugebiet schlagen. Und ausserdem hätte man untereinander natürlich auch noch schnelle Verbindungen - ganz neue kostenfreie lokale Dienste wären auch damit möglich - Videokonferenzen etc. (Vor allem mit Bonjour alias ZeroConf wäre das alles gar kein Problem) Alles, was halt viel Bandbreite braucht, aber mit Schmalspur Internet nicht zu gewährleisten ist.
Auch in der Stadt wären ganz neue Möglichkeiten gegeben. Anstatt dass sich 10+ Wlans die Frequenzen gegenseitig blockieren, würde sich auch da ein Mesh als sehr nützlich erweisen. Viele meiner Freunde könnten sich für ihr bisschen e-mailen, chatten und surfen locker zu 10. einen 1Mbit-DSL Anschluss teilen. Die Kosten würden sich drastisch reduzieren - bzw. umgekehrt die Bandbreite viel besser verteilen. Und wenn ein Router mal ausfällt, macht das garnix, da sich die Netze ja selbst neu organisieren können - Gegensatz zu einem Accesspoint.
Wie die Sicherheit gewährleistet ist, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Ein Mesh ist unverschlüsselt - und alle Daten die über deinen Router laufen können auch mitgeloggt werden. Es gibt natürlich verschlüsselte Seiten (alle, die mit https anfangen), aber der Rest wird ich Klartext übermittelt. e-mails, passwörter, VoiP, alles. Als beste Möglichkeit sehe ich da den Einsatz eines VPNs.
Was braucht man dazu? Einen Router, auf dem man die Freifunk-Firmware flashen kann. Geht interessanterweise auch auf dem La Fonera von FON …
Ich würde meinen DSL-Light Anschluss in Obertheres teilen - allein nur deswegen, um auszuprobieren wie gut ein Mesh in Obertheres funktionieren würde. Und ja. Ich könnte dann auch überall mit meinem iPhone surfen. Wer braucht da noch 3G?



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